Puppen-Paradies Barbara Benken
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Pressespiegel   Aus der Presse

Im folgenden finden Sie einige Artikel und Berichte, die in verschiedenen Zeitungen, Zeitschriften und Büchern über Barbara Benken und ihre Puppen erschienen sind.

Der folgende Artikel erschien in der Braunschweiger Zeitung vom 11.11.1993:

Mit zartem Pinselstrich erwacht das Original

Von Karla Götz


Wer die Braunschweigerin Barbara Benken in ihrem kleinen Ausstellungsraum Berliner Straße 102 besucht, tritt unvermittelt in eine Zauberwelt. Zarte Puppengesichter lächeln von Regalen. In Spitzen und Seide gewandete kapriziöse Französinnen konkurrieren mit ihren Geschwistern aus Thüringen, die vernünftige Baumwollkleidung tragen.

In einer mehrstöckigen Puppenstube geht es geschäftig zu, Lichter brennen, Betten werden gemacht, Tische gedeckt. Die Babypuppe liegt süß in der Wiege, Mulattinnen und Negerpuppen setzen mit exotischen Gewändern Farbsignale.

Antike Reproduktionen

Weit über 400 dieser Sammlerstücke hat Barbara Benken seit 1985 im Keller ihres Hauses produziert. Was als beiläufiges Hobby einer Hausfrau, deren Kinder flügge wurden, begann, hat künstlerischen Anspruch gewonnen. Reproduktionen antiker Puppen sind inzwischen ihre Spezialität. Den 17 Medaillen, die sie seit drei Jahren auf internationalen Kongressen errang, hat sie kürzlich die höchste europäische Auszeichnung für Puppenmacher hinzufügen können. In Sindelfingen erhielt sie in der Kategorie Babypuppen den Eurodoll-Preis, von der Punktwertung höher als eine Goldmedaille. Das preisgekrönte Kindchen, in eine Art Taufkleid aus stufig genähten antiken Spitzen gehüllt, liegt friedlich in der Wiege und hält das runde Eurodoll-Gold im Schoß. Es ist die originalgetreue Nachbildung einer Schönau und Hoffmeister aus Sonneberg in Thüringen, um 1920 entstanden.

Im Gespräch verdeutlicht die Kunsthandwerkerin, die den amerikanischen Titel "Master of Dollmaking" trägt, wo die Schwierigkeiten der Reproduktion liegen. Das Biskuitporzellan für den Kopf muß sauber, ohne Bläschen gegossen sein.

Historische Formen läßt sie sich zuschicken und kann sie bis zu 50mal ausgießen. Rosé für die Hautfarbe muß danach ganz sanft auf weißen Grund aufgearbeitet werden. Die Wimpernstriche sind Präzisionsarbeit, mit feinem Pinsel unter der Lupe gefertigt. Körper, Glieder und Haare sind aus edlem Material, das sie von zahlreichen Firmen aus aller Welt bezieht. Eine Dokumentation von Bildbänden mit Nahaufnahme erleichtert die Nachbildung. Manchmal steht Barbara Benken vor der Frage, wo sie die Stoffe und Accessoires herbekommt, die das Puppenkind der Abbildung täuschend ähnlich machen.

Sie schwärmt von all den Messen und Kongressen, die sie europaweit besucht hat. So lernte sie die Schweizerin Rosemarie Kunz kennen, bei der sie jedes Jahr in mehrwöchigen Kursen ihre Kenntnisse vervollkommnet.

Little Björn

Einmal hat sich die Braunschweigerin schon ans Modellieren gewagt und eine eigene Form erstellt. Little Björn, benannt nach ihrem Sohn, sitzt mit fröhlichem Kindergesicht und buntem Hemdchen im Kindersitz. Demnächst soll auch noch die Tochter Heide hinzukommen. Die Braunschweigerin fährt inzwischen gar nicht mehr auf Messen. Sie hat einen großen Kundenkreis, dem sie ihre Arbeiten zur Auswahl zuschickt. Doch von ihrer Eurodoll würde sie sich niemals trennen.

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(Bildunterschrift: Barbara Benken mit ihrer Eurodoll, einer originalgetreuen Nachbildung von Schönau und Hoffmeister aus Sonnenberg um 1920).



Der folgende Artikel erschien in der Braunschweiger Zeitung vom 22.11.1996:

Puppenmacherin Barbara Benken erkämpfte in Bregenz
sechs Eurodoll-Medaillen

Geduldige Suche nach Accessoires


In stolzer Reihe stehen Barbara Benkens preisgekrönte Puppen im Regal. Die Braunschweigerin, die seit mehr als zehn Jahren kleine und große Schönheiten herstellt, ist erneut mit Medaillen im Gepäck vom Wettbewerb aus dem österreichischen Bregenz zurückgekehrt. Vier goldene Eurodollpreise und zwei bronzene erhielt sie für originalgetreue Reproduktionen und eine selbst modellierte Künstlerpuppe. 450 Puppenmacherinnen kämpften in Bregenz um diese Auszeichnungen.

Die Vorbilder entdeckt die talentierte Gestalterin in der Fachliteratur, für die Accessoires ist sie geduldig in Braunschweiger Geschäften auf Suche. Gold erhielt sie für eine Französin in grau-blauer Seide und Valencienne-Spitze mit Straußenfedern am Hut, ebenfalls für den "Liebling", eine Puppe, die 1915 bei der Firma Kämmer & Reinhardt hergestellt wurde, außerdem für die Reproduktion einer Burmesin aus dem gleichen Jahr und für die Trachtenpuppe "Gretchen".

Bronze erhielten eine Babypuppe und die 72 Zentimeter große "Angela", die Barbara Benken selbst modellierte. "Sie sieht meiner Tochter in Kindertagen ähnlich", verrät sie.

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(Bildunterschrift: Die Puppenmacherin mit Französin, Liebling, Gretchen, Burmesin, Wendy und der von ihr selbst modellierten Künstlerpuppe Angela.)



Der nachfolgende Artikel erschien in der DOLLAMI Ausgabe 5/96:

Seite 36 Seite 37

Klassische Köpfe bleiben modern

Ein Portrait der Braunschweiger Puppenmacherin Barbara Benken

Von Karla Götz

Kokett lupft sie den streifenbunten Rüschenrock. Das schwarze Wuschelhaar der Mulattin bändigt ein kunstvoll geknoteter Turban, der die Farbe des Rockes aufnimmt. Über der feinen Bluse aus weißer Leinenspitze trägt die Tänzerin bunte Glasperlen, an den Ohrläppchen klingeln goldene Münzen. Strahlend und lebensfroh ist der Gesichtsausdruck der dunkelhäutigen Schönen - "La Martiniquaise" ihr Name.

Die Braunschweiger Puppenmacherin Barbara Benken nimmt ihre Reproduktion der "Simon & Halbig 1249" (1898) geradezu zärtlich aus dem Regal und blättert zum Vergleich einen Bildband auf. Die Übereinstimmung ist verblüffend. "Ich liebe exotische Sachen", sagt sie und schildert die Etappen der Herstellung. Sieben Brände erhielt der Porzellankopf, bis er die gewünschte Tönung erreichte. Der Waltershäuser Körper ist ebenso originalgetreu wie Perücke und Augen, die sie bei einem kleinen Handwerksbetrieb in Süddeutschland bestellt.

Barbara Benken schildert mit Freude ihre ausdauernde Jagd nach den Accessoires. Eine hundert Jahre alte echte Goldborte und die winzigen Münzen, die sie in einem Braunschweiger Spezialgeschäft fand, gehören zu den Trophäen. Die "Martiniquaise" schultert, wie viele andere Reproduktionen aus ihrer Werkstatt, an blauer Kordel noch eine weitere Münze: Silber bei einem Eurodoll-Wettbewerb. 26 internationale Medaillen in Gold, Silber und Bronze hat die Puppenmacherin bisher errungen, darunter 1993 in Sindelfingen die höchste Auszeichnung, die EURODOLL in der Kategorie "Babypuppen". Das preisgekrönte Baby im Taufkleidchen lächelt aus einer Vitrine im Wohnzimmer.

Die Mutter zweier erwachsener Kinder, deren Credo "Qualität bis ins klitzekleinste Detail" lautet, kam über kunsthandwerkliche Hobbys zur Puppenherstellung. Es war ein weiter Weg, und der Kauf eines Brennofens der entscheidende Kilometerstein. Seit ihr Mann Weihnachten 1987 dieses Geschenk unter den Tannenbaum stellte, hat er die Verdrängung aus seiner Keller-Werkstatt hinnehmen müssen. Spuren der Puppenmanufaktur ziehen sich längst durchs ganze Einfamilienhaus. Alle sind einbezogen. Sohn Björn, der an seiner Dissertation arbeitet, kennt sich ebenso in Firmennamen und Modellen antiker Puppen aus wie Tochter Heide, die mit einer eigenen Antikreproduktion eine Silbermedaille errang. Und auch Ehemann Dr. Hans-Georg Benken wünschte sich kürzlich zu Weihnachten - eine Puppe. Gemeinsam fährt die Familie zu Börsen und Wettbewerben.

Barbara Benken liebt die luxuriösen antiken Modelle aus Frankreich und die liebreizend-braven Puppenkinder aus Deutschland, die zwischen 1880 und 1920 produziert wurden. "Die klassischen Gesichter kommen nie aus der Mode", sagt sie und nennt ihre Favoriten: Charakterköpfe von K&R, S&H, Kestner oder Heubach. Daß sie sich in deren Geschichte vertieft hat, beweist ein gut gefülltes Regal mit Fachliteratur und Bildbänden.

Viel profitiert hat sie von den Kursen, die sie bei Rosemarie Kunz in der Schweiz genommen hat. Kombiniert mit eigenen Erfahrungen beim Modellieren, Gießen, Brennen und Nähen erreichte sie im Laufe der Jahre eine Souveränität, die ihre Kunden in ganz Deutschland zu schätzen wissen. Die oft kontroversen Sammlerdiskussionen über die Wertigkeit von Original und Reproduktion verfolgt Barbara Benken mit Interesse und vertritt ihre eigene Meinung. Eine gut gemachte Reproduktion aus der heutigen Zeit ist für sie die direkte Weiterführung der traditionellen Puppenherstellung von damals. Da sie jeden Kopf selbstverständlich mit ihrem Namen signiere, sei Mißbrauch völlig ausgeschlossen. Die Reproduktion antiker Stücke stelle höhere Anforderungen an das Können der Puppenmacherin als die Reproduktion von Künstlerpuppen.

Im Oktober 1993 brachen für die Kunsthandwerkerin geradezu paradiesische Zustände aus. "Puppen-Paradies" heißt ihr kleiner Laden an der Berliner Straße. Und hier drücken sich auch Erwachsene gerne die Nasen platt. Außer den eigenen Reproduktionen bevölkern schöne Porzellanpuppen von namhaften zeitgenössischen Künstlerinnen wie Ute Kase-Lepp, Rosemarie Kunz, Wiltrud Stein, Sylvia Weser, Evelyn Pfaffendorf Schulter an Schulter mit klassischen Käthe-Kruse-Puppen den Verkaufsraum. Die Wände schmücken Urkunden, darunter das Zertifikat "DAG Master of Dollmaking", das sie als eine der ersten deutschen Puppenmacherinnen erworben hat.

"Der Anblick einer lieblichen Puppe versetzt einen in Kindheitstage zurück und läßt die Alltagssorgen vergessen", meint die Braunschweigerin und erinnert sich an ihre Lieblingspuppen, mit denen sie als Kind ganz intensiv spielte. "In einer schrecklichen Bombennacht verlor ich sie alle".

Barbara Benken weiß, daß die Zahl der überlieferten Antikpuppen begrenzt ist, und sie ist sich sicher, daß das Verlangen nach Geborgenheit und Harmonie in der heutigen hektischen Zeit die Freude an schönen Dingen steigert. Da setzt sie an und gestaltet mit großem Aufwand und penibler Genauigkeit Reproduktionen, die wertvolle Sammlerstücke sind. Da die umtriebige Frau ständig auf der Suche nach neuen Erfahrungen ist, darf man gespannt sein, was unter ihren geschickten Händen noch alles entsteht. Im Keller finden sich schon ausdrucksvolle Puppenköpfe, die sie selbst modelliert hat ...


Die Bildunterschriften:
Seite 36: Reproduktion einer LongFace Jumeau.
Seite 37 links: Reproduktion einer J.D.Kestner 257.
Seite 37 rechts: Reproduktion einer Simon und Halbig 1249 "La Martiniquaise".
(Fotos: Giesel(1), Kreuter).




Der folgende Beitrag wurde veröffentlicht in:
"Puppen - Teddys - Fantasy" (Spielzeugland 2000, Band 1, herausgegeben von Ingrid E. Endesfelder und Dr. Klaus H. Meier, edition reiher im Dietz Verlag, Berlin 1998, ISBN 3-320-01989-9, Preis 19,94 Euro, Seite 75-79.):

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Faszination Puppenmachen

Wenn antike Porzellanschönheiten wiedererstehen

Das Schöne bewahren und vielen Menschen zugänglich machen - Reproduktionen antiker Porzellankopfpuppen in höchster Qualität und vollendeter Ausstrahlung sind Berufung und Lebensinhalt von Barbara Benken aus Braunschweig. Seit 1986 nimmt sie an vielen Puppenbörsen teil, die Matthias Wanke und später Ulrich Gierse und andere veranstalteten. Begleitet wird sie oft von Sohn Björn oder Tochter Heide. Nach seiner Pensionierung kann auch Ehemann Georg häufiger dabei sein. Inzwischen feierte die Familie Benken ihre 100. Börsenteilnahme. Kunden und Kollegen schätzen die überaus freundlichen Braunschweiger, man spürt, mit welcher Liebe und Ausdauer sich diese Familie dem Puppenmachen verschrieben hat.

"Was heute bereits viele erfreuliche Seiten unserer Familienchronik füllt, begann bei mir in frühsten Kindertagen", erinnert sich Barbara Benken. "Geboren bin ich in Braunschweig. Damals lebten wir in der Innenstadt, meine Großeltern hatten bereits dieses Haus etwas außerhalb der Stadt, wo wir heute noch leben. Mein Vater war Direktor bei den Rollei-Werken, sein Hobby war das Fotografieren. Verständlich, daß ich auf unzähligen Fotos und Filmen festgehalten wurde, auf denen ich fast immer mit meinen Puppen zu sehen bin. Schon im zarten Alter von einem Jahr sitze ich strahlend inmitten vieler Puppen und Teddys. Ich bin von meinen Eltern sehr verwöhnt worden, vielleicht daher mein Hang zur Eleganz und zu allem Schicken. Zum Weihnachtsfest 1941 bekam ich einen schönen Pelzmantel, doch wie groß war meine Freude, als ich auch eine Puppe und einen Puppenwagen unter dem Weihnachtsbaum entdeckte.

Ich habe mit wahrer Begeisterung gespielt. Mein Liebling war eine Babypuppe. Eine Nachbarin hatte gerade einen Säugling, so habe ich bei meinem Puppenkind alles genau nachvollzogen wie bei einem echten Baby. Am 15. Oktober 1944 wurde Braunschweig von einem schweren Bombenangriff heimgesucht. Es war der zweite Alarm in jener Nacht. Meine Mutter meinte noch, 'laß mal alles hier, brauchst dich nicht anzuziehen; wir gehen schnell in den Bunker, sind ja gleich wieder da.' Und als wir raus kamen, stand das Haus in Flammen, wir haben alles verloren, auch meine Puppen. Noch wenige Tage zuvor sieht man mich auf einem Foto hinter meinem neuen Kaufmannsladen. Meine Freundin Ruth, sie wohnte eine Etage tiefer, hat immer bei mir eingekauft. Mehr als 50 Jahre nach dieser Bombennacht sprach mich auf einer Puppenbörse eine Frau an: 'Sind Sie die Bärbel Rose? Ich bin Ruth Jünemann.' Ob ich noch wüßte, daß sie uns ihr Leben verdankt. Wir hatten ihre Familie in jener Bombennacht geweckt, sie hatten die Sirenen nicht gehört.

Zu den Puppen kam ich wieder als junge Mutter. Mein Sohn Björn ist 1963 und meine Tochter Heide 1966 geboren. Ich blieb zu Hause und widmete mich ganz den Kindern und der Familie. Wir lebten gemeinsam mit meinen Eltern im Haus. Mein Vater ist vor 13 Jahren verstorben, aber 'unsere Omi' wird mit ihren 96 Jahren liebevoll von uns umsorgt.

Ein Zufall spielte mit, daß wir uns seinerzeit für einen anthroposophischen Kindergarten entschieden. Mit Begeisterung haben wir Mütter Puppen für unsere Kinder gebastelt: Waldorfpuppen ohne Augen und ausgeprägte Gesichtszüge, sie sollten offen für Gefühle und Spielsituationen der Kinder sein. Björn nannte seinen Puppenjungen Peter. Heides erste Waldorfpuppe Angelika hatte goldgelbe Haare; es folgten die grünen Zwillinge.

Sehr viel Zeit habe ich mit meinen Kindern verbracht, doch als sie langsam erwachsen wurden, kam die Angst vor dem Abschied. Depression kann eine schwere Krankheit sein, aber die Familie half mir darüber hinweg. Heide nahm mich zu verschiedenen Bastelkursen mit - Bauernmalerei, Seidenmalerei usw. Dann standen Stoffpuppen im Programm - wie Jahre zuvor in der Kindergartenzeit. Schließlich wagten wir uns an Porzellanpuppen. Hilda - die Reproduktion einer Puppe von J.D.Kestner -, die im Verlauf des ersten Kurses entstand, hatte vielleicht gerade zehn Wimpern, wo es doch siebenundzwanzig sein müßten. Doch der Startschuß war getan, und ich entdeckte meine Vorliebe für Porzellankopfpuppen in ihrer Blütezeit in Frankreich um 1880 und in Deutschland von 1890 bis 1920. Aber es würde ein langer Weg sein, solche Puppen so authentisch wie möglich herzustellen.

1986 war ich zum ersten Mal auf einer Börse und lernte Matthias Wanke kennen. Er war der Grande der Puppenszene, immer flott gekleidet, ein schicker junger Mann. Mit fliegendem Mantel ging er durch die Stände, schaute sich die Puppen an und freute sich, wenn alles gut lief. Mein erster eigener Brennofen - für jede Puppenmacherin wohl ein einschneidendes Ereignis - ging auch auf seinen Anstoß zurück.

1988 entstand meine erste Wettbewerbspuppe. Die Familie belächelte mich ein wenig. 'Nee Mutti, da kriegst du doch nichts drauf', meinte Heide. Wir haben die Puppe noch in letzter Minute eingereicht, und mein Mann ist mit mir in die Schweiz nach Biel zum internationalen Puppenwettbewerb der Doll Artisan Guild (DAG) gefahren. Als ich dort meine Puppe sah, unmöglich aufgebaut, wußte ich, so kann es nichts werden. Aber ich fand Freude am Fluidum des Wettbewerbs, war stolz, bekannte Künstlerinnen wie Rosemarie Kunz - sie war Instruktorin der Firma Seeley für Europa - kennenzulernen. Ein Jahr später folgte ich einer Einladung in die Schweiz zu einem Puppenkurs bei ihr. Von da an wurden meine Reproduktionen professioneller und konnten mehr und mehr neben ihren antiken Vorbildern bestehen.

1990 bekam ich auf einer Börse in Hamburg meinen ersten Pokal, einen Publikumspreis. 1992 erhielt ich als eine der ersten Puppenmacherinnen von Deutschland in Interlaken/Schweiz den Titel 'Master of Dollmaking' von der DAG verliehen. Mittlerweile sind es 35 Medaillen und Preise von internationalen Wettbewerben. Bei der Eurodoll bin ich seit Anfang an dabei, und zu meinen schönsten Erfolgen zählt der Eurodoll-Sieg 1993 in der Kategorie Babypuppen für eine Reproduktion einer Schoenau & Hoffmeister-Puppe. Auch Heide macht eigene Puppen und hat auf der Eurodoll 1994 in Sindelfingen bei den Antik-Reproduktionen Bronze und Silber und 1996 in Bregenz für Max und Moritz von J.D.Kestner Gold bekommen.

Viele meiner Kunden habe ich auf Börsen kennengelernt. Mit einigen verbindet mich heute eine richtige Freundschaft. So kam z.B. eine Kundin in Heidelberg kurz vor Schluß auf mich zu; sie wollte so gern noch eine hübsche Puppe kaufen. Da wir unseren Zug nicht versäumen durften, schlug ich ihr vor, ihr demnächst eine Auswahl Puppen zu schicken. Elf Puppen gingen auf die Reise, und mit Spannung wartete ich auf die Antwort. Schließlich rief ich an, welche ihr wohl am besten gefallen hat. 'Das kann ich gar nicht sagen - ich behalte sie alle!' Sie ist die eifrigste Sammlerin meiner Puppen geworden.

Fünfzig Jahre nach meinem ersten Kaufmannsladen habe ich mir einen Traum erfüllt, ein eigenes kleines Geschäft. Meine Puppenstube hatte im Oktober 1993 in Braunschweig in der Berliner Straße 102 Premiere. Da ich nur nachmittags geöffnet habe, bleibt mir die nötige Zeit zum Puppenmachen. Im Laden kann ich in Ruhe meine Stammkunden empfangen und Interessierte an das schöne Thema Antikpuppen heranführen. Etwas schwierigere Zeitgenossen begrüßt Bruder Ärgerlich - die Replik der legendären Charakterpuppe der Gebrüder Heubach. Zu ihm gab es seinerzeit einen treffenden Spruch: 'Alles, was er hat, das will er nicht. Alles, was er will, das hat er nicht' und genau so schaut er drein.

Die Reproduktion von Antikpuppen ist eine hohe Kunst, denn hier steht das Original als strenger Maßstab. Es beginnt meist mit dem Studium antiker Puppen und dem Blättern in den wunderschönen Bildbänden über deutsche oder französische Porzellanpuppen. Dann begeistere ich mich beispielsweise für eine Tête-Jumeau - die soll es sein! Oder ich entscheide mich für eine Bru Jne 11 um 1889, 64 cm groß aus Biskuitporzellan, blaue Paperweight-Augen, offen-geschlossener Mund, Mohairperücke und Kompositionsholzkörper. Sie stammt aus der Ära von Casimir Bru jun. Die gleiche Bru Jne 11 habe ich auch einmal kleiner, in 25 cm gemacht.

Die Französinnen sind zweifellos meine Favoriten, weil man bei ihnen mit Spitzen und Seidenstoffen zaubern kann. Die Eleganz, die ich seit früher Kindheit so liebe, finde ich bei ihnen. Was aber nicht bedeutet, daß es nicht auch bei den deutschen Charakterpuppen interessante und vor allem sehr eigenwillige Gesichter gibt. Viel Liebreiz zeichnet die Heubach-Pouty aus - Pouty kommt aus dem Englischen und heißt eigentlich Schmollende. Aber es ist eher ein melancholisch anmutendes Kindergesicht, das an Herzigkeit kaum zu überbieten ist. Zu den Stars der deutschen Porzellanpuppen gehört auch die Nr. 117A von Kämmer & Reinhardt aus dem Jahre 1915, der die Firma schon damals den Namen Mein Liebling gab. Heute noch ist sie nicht nur mein Liebling, sondern auch der vieler meiner Kundinnen. Meine zweite Vorliebe sind Mulatten. Die Familie lacht jedesmal, 'Schon wieder eine!' Aber glücklicherweise habe ich auch meine Kunden dafür, ansonsten wäre mein Laden voll davon.

Nach der Beschaffung der Form für den jeweiligen Puppenkopf beginnt die eigentliche Arbeit mit dem Gießen des Porzellans. Dabei gibt es große Unterschiede: verschiedene Hobbyporzellane und ganz weißes Porzellan höchster Qualität. Ein Kopf aus solchem weißen weißen Porzellan, wie es auch bei antiken Puppen verwendet wurde, kann in allen Schattierungen getönt werden, ob es nun eine Asiatin, Mulattin oder eine Afrikanerin werden soll. Hobbypuppenmacher verwenden der Einfachheit halber bereits eingefärbte Masse, allerdings erreicht man damit nicht die feinen Schattierungen der Haut, das Gesicht lebt nicht so ...

Bei jedem Arbeitsgang, jedem Brand kann der Kopf Schaden nehmen. 'Gut - besser - kaputt!' ist der Spruch der Puppenmacher. Manchmal kann man sich nicht erklären, warum etwas nicht gelingt, plötzlich ein Riß oder etwas ist verformt. Nachdem der Kopf gegossen wurde und zwei Tage getrocknet hat, ist der sogenannte Rohling zur Bearbeitung fertig. Unebenheiten im Porzellan sowie die Ansatznähte, die aus der Form herrühren, müssen durch gründliches Schleifen beseitigt werden. Dann werden die Augenhöhlen ausgestochen und versäubert. Nach dieser Prozedur kommt der Kopf in den Scharfbrand. Der Ofen wird in mehreren Stunden auf 1.230° C aufgeheizt. Und auch die Abkühlung nimmt wieder etliche Zeit in Anspruch. Nun hat der Kopf die übliche harte Porzellankonsistenz, und es folgen die verschiedenen Farbbrände. Als erstes muß das Porzellan die vorgesehene Hautfarbe erhalten, erst dann beginnt man, nach Vorlage des Originals, die Wimpern zu malen bzw. den Mund. Nun geht die Puppe zum nächsten Farbbrand in den Ofen. In gleicher Weise folgt die Bemalung der Augenbrauen, das Rouge der Wangen. Vor dem abschließenden Brand wird der Puppe der letzte Schliff gegeben: hier noch einmal aufgefrischt, dort vielleicht die Lippenkontur leicht nachgezogen, einzelne französische Puppen erhalten noch einen besonderen Hauch von Lidschatten.

Ich kann stundenlang Köpfe bemalen, alles mit größter Ruhe und Konzentration, aber das Perücken ankleben übernimmt meine Tochter. Sie ist gern dabei, wenn ich an einer neuen Puppe arbeite, sucht nach der idealen Lockenpracht und der passenden Unterwäsche, Strümpfen und Schuhen, und wir beraten gemeinsam über das Traumkleid der zukünftigen kleinen Prinzessin. Der Fundus an Kleidung hat allein einen Wert von vielen tausend Mark, dann die Augen, die Perücken. Was kaum jemand ahnt, in der Puppenkonfektion gibt es mehr Größen als bei den Menschen! Das liegt zum einen an der Spannweite der Puppengröße von wenigen Zentimetern bei Miniatur- oder Nippespüppchen bis beispielsweise zur Bru Jne 15 mit 102 cm. Zum anderen muß man verschiedene Puppenkörper unterscheiden: Babykörper, Toddlerkörper, Stehkörper, Jumeau-Körper, A.Marque-Körper und diverse Bru-Körper - oft aus Leder oder manchmal aus Holz. Bei antiken deutschen Puppen greife ich auf originalgetreue Puppenkörper von Peter Packert in Neustadt bei Coburg zurück, der mit alten Formen von 1910 noch heute in aufwendiger Handarbeit die Waltershäuser Doppelgelenkkörper prägt.

Zwei gestandene Modelleure möchte ich nicht unerwähnt lassen. So Theo Menzenbach, er hat viele Künstlerpuppen modelliert und später auch Kurse gegeben. Lange Zeit war er Mitglied der Jury von Eurodoll. Und Horst Heerlein, er hat die Meisterschule in Sonneberg für Spielzeug und Keramik absolviert und anschließend die Akademie für Angewandte Kunst in Berlin-Weißensee besucht. Danach war er jahrzehntelang mit Modellgestaltung für die Industrie tätig. So hat er u.a. auch die kleinen Figuren für Überraschungseier entworfen, die heute bereits begehrte Sammelobjekte sind. Da schon die Eltern von Horst Heerlein im Spielzeug- und Puppenbereich tätig waren, läßt ihn dieses Thema bis heute nicht mehr los.

Bei einem Seminar von Horst Heerlein habe ich 1991 meine erste eigene Künstlerpuppe modelliert. Obwohl nicht ganz ausgereift, fand ich sie süß - es war ein richtig lebendiges Baby. Inzwischen kann ich eine kleine Galerie selbstmodellierter Köpfe vorweisen: Dazu gehört auch Little Björn nach einem Kinderbild unseres Sohnes, und es gibt auch eine Klein-Heide.

Manche meinen, das Modellieren sei das Schwierigste, aber ein stimmiges Gesamtbild zu schaffen ist mindestens ebenso anspruchsvoll. Ich habe mir selbst bewiesen, daß ich modellieren kann und dabei gemerkt, daß mich die Reproduktionen doch am meisten reizen. Ich freue mich, wenn auf diese Weise das Alte bewahrt werden kann und sich mehr Menschen so etwas leisten können. So bleibe ich jetzt bei meinem Lieblingsthema: Schöne antike Puppen wieder neu entstehen zu lassen."


Abbildungen im Buch:
S.13: 'Bru Jne 11' (Foto: Björn Benken)
S.75: 'La Martiniquaise' (S&H 1249; Foto: Joachim Giesel)
S.76: 'Kaufhaus Bärbel Rose' (Foto: Walter Rose)
S.77: 'Bruder Ärgerlich' (Gebr. Heubach; Foto: Dr. Klaus H. Meier)
S.78: 'Heubach Pouty' (Foto: Wolfgang Richter)
S.79: 'Mein Liebling' (K&R 117A; Foto: Christa Kreuter).

Hinweis: Die Veröffentlichung an dieser Stelle erfolgte mit freundlicher Genehmigung der Autoren und Herausgeber Ingrid Elisabeth Endesfelder und Dr. sc. Klaus Heinz Meier sowie des Thomas Bradler Verlages Berlin.



Der folgende Beitrag wurde veröffentlicht in:
"Knallbonbons - SpielArt und Ausgeflipptes" (Spielzeugland 2000, Band 3, herausgegeben von Ingrid E. Endesfelder und Dr. Klaus H. Meier, erschienen im Thomas Bradler Verlag Berlin 1999, ISBN 3-934597-01-7, Preis 19,94 Euro, Seite 31-34):

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Antik - oder doch nicht?
Barbara Benken

"Hallo, Frau Benken!", mit einem fröhlichen Lachen stürmt eine junge Frau in den kleinen Puppen-Laden von Barbara Benken in Braunschweig. "Ich mußte einfach mal wieder schauen, was es Neues bei Ihnen gibt. Meine Hilda, die ich kürzlich bei Ihnen gekauft habe, Sie wissen schon, die von Kestner, hat ihren Platz in der Vitrine neben schönem alten Porzellan. Meine Mutter ist ganz begeistert und erst meine Freundinnen! Bei unserem letzten Kaffeeklatsch wollten sie mehr zum Thema Porzellanpuppen wissen. Wenn Sie heute ein wenig Zeit für mich hätten, ich würde gerne mehr über Ihre Arbeit als Puppenmacherin erfahren, von den Antikreproduktionen und all diesen Dingen."

"Ja, gern. Seit 15 Jahren mache ich nun schon Porzellanpuppen. Und wie haben sich meine Puppen doch im Laufe dieser Zeit verändert. Allein die Bemalung - anfangs zierten nur einzelne nahezu balkenförmige Augenwimpern ihre Gesichter, die Augenbrauen glichen mehr oder weniger kleinen Tannenzweigen. Und das Porzellan, bereits rosa getönt geliefert, bekam nach dem Brennen diesen faden, grauen Ton, so daß die Puppen allesamt ein wenig krank erschienen. Aber nach einigen Jahren hatte ich, auch mit Hilfe der Fachliteratur, die notwendigen Erfahrungen gesammelt, mit dem weißen Porzellan, das man schon bei den Originalpuppen der Jahrhundertwende verwendete, richtig umzugehen - und erreichte schließlich diesen bezaubernden Porzellanschimmer, der dem Teint der antiken Puppen entspricht. Auch die Bemalung bedurfte noch der Korrektur, bis es mir gelang, die antiken Puppen Frankreichs aus der Zeit um 1880 bis 1900 und auch die deutschen Puppen um 1900 bis 1920 den Originalen so gut nachzuarbeiten, daß einige Kunden meine Reproduktionen schon für antike Puppen gehalten haben. Für mich haben die antiken Puppen einen ganz besonderen Reiz, eine wunderbare Ausstrahlung, sie sind in meinen Augen einfach klassisch schön. Und so bin ich immer wieder aufs Neue animiert, weitere Puppen aus dieser Zeit zu reproduzieren. Sie sehen, ich komme sofort ins Schwärmen. Außerdem fasziniert mich die Garderobe der früheren Zeit, die so im völligen Kontrast zur heutigen saloppen Jeans- und T-Shirt-Mode steht. Wenn man bedenkt, mit wie viel Liebe und Aufwand doch die Kleidung vor 100 Jahren gefertigt wurden. Spitze, Rüschen, Bänder, weißer Voile oder Tüll und in Frankreich sogar Seide, Samt und Satin waren die gängigen Materialien. Die Freude, die ich beim Nähen der Kleidung und beim Herstellen einer antiken Puppe empfinde, möchte ich ebenso bei den Betrachtern wecken und damit ein Stück des Glanzes der 'guten alten Zeit' weitergeben. Jede neue Reproduktion bedeutet für mich eine Herausforderung, sie dem Original so gut wie irgend möglich anzupassen.

Bei einem Bildhauer habe ich natürlich auch die Kunstfertigkeit des Modellierens gelernt. Auch die selbst modellierten Puppenköpfe fertige ich aus Porzellan. Und hier läßt sich ebenfalls meine Liebe zu den antiken Schönheiten nicht verleugnen; es ist schon bezeichnend, daß auch sie diese ebenmäßigen Gesichtszüge aufweisen. Ich mag nun einmal keine abstrakten, skurrilen Gestalten oder grimassenhafte Züge an den Puppen. Ich möchte mit meinen Puppen nicht an das Elend der Welt - das es ja leider viel zu viel gibt - erinnern, sondern einfach Freude bereiten."

"Ja, so ein Glücksgefühl empfinde ich, wenn ich meine Hilda betrachte. Aber sagen Sie, wer begeistert sich heute eigentlich für Antikreproduktionen?" - "Sie werden staunen, zu meinen Kunden gehören sogar schon Kinder ab 10 Jahre, die mit diesen Puppen spielen, sie herzen und liebhaben. Dann gibt es natürlich sehr viele Damen der mittleren und reiferen Jahrgänge, die sich - auch bedingt durch die schreckliche Kriegszeit - ein Stück verlorengegangene Kindheit zurückholen oder die einfach ein Faible für alles Feine und Elegante haben. Manchmal verliebt sich eine Kundin auf den ersten Blick in eine bestimmte Puppe. Oft bleibt es dann nicht bei der einen. Einige Damen statten ihre Puppe auch hin und wieder neu aus oder es wird ein passender Puppenwagen in meinem Geschäft gekauft. Es ist auch nichts Außergewöhnliches, daß man mit seiner Puppe spricht, wenn einem danach zumute ist, oder wenn man sich einsam fühlt. Die Puppen Max und Moritz hingegen werden meist als nette Zierde für den Kaminsims oder den Tisch gekauft.

Sechs Jahre besteht nun schon mein Lädchen, und es kommen häufig Antiksammler zu mir, um eine bestimmte Puppe, für die sie in antik vielleicht eine fünfstellige Summe hinlegen müßten, als Reproduktion zu erwerben. Auch einige Männer gehören zu meinen Kunden, die - vor allem in der Weihnachtszeit - eine besondere Überraschung suchen. Das ist dann immer eine spannende Sache; ich möchte schon einiges über die Dame erfahren, um bei der Wahl behilflich sein zu können. Erfreulicherweise sind bisher alle Puppen bei ihrer neuen "Puppenmutti" geblieben, keine einzige wurde umgetauscht. Ich habe übrigens netten Kontakt zu fast allen meinen Kundinnen aus ganz Deutschland. Oftmals gehen die Puppen nämlich per Post auf die große Reise zu ihrer neuen Besitzerin, und hernach werden viele Telefonate geführt. Einige Kundinnen besuchen mich bei einer passenden Gelegenheit im Laden oder auch zu Hause."

Inzwischen betritt eine weitere Kundin den Laden und hält nach einem neuen Kleid für ihre Celluloid-Puppe Ausschau. Frau Benken berät, es wird probiert, und das Kleidchen soll dann auch gleich angezogen bleiben.

"Ich habe mich derweil ein wenig genauer umgeschaut", setzt danach die junge Frau das Gespräch fort: "Sagen Sie, die Auszeichnungen an den Wänden von Wettbewerben und die Urkunde 'Master of Dollmaking', was bedeutet denn dies?" - "Der 'Master of Dollmaking' ist ein international bekannter Titel, gewissermaßen der Meisterbrief der Puppenmacher. Er wird von der amerikanischen Puppenmacher-Gilde, der Doll Artisan Guild, verliehen. Hierzu muß man eine bestimmte Anzahl von Kursen bei einer eigens dafür anerkannten Lehrkraft absolvieren, eine schriftliche Prüfung ablegen und schließlich eine Puppe angefertigt haben, die bei einem der internationalen DAG-Wettbewerbe mit einer Gold- oder Silbermedaille ausgezeichnet wurde. Als ich 1992 diesen Titel erhielt, gab es als Lehrmeisterin nur eine Instruktorin für ganz Europa, und ich gehörte mit zu den ersten Puppenmacherinnen aus Deutschland, denen diese Auszeichnung in der Schweiz verliehen wurde ..."  Hier klingelt das Telefon.  "... Ja, natürlich, ich habe einige Käthe-Kruse-Puppen dieser Größe da ..., auch die Georgia ist dabei. Da ich Clubhändlerin bin, können bei mir auch die Sonderausgaben erworben werden, die nur den Club-Mitgliedern der Käthe-Kruse-Familie vorbehalten sind. Also, gut, kommen Sie morgen nachmittag vorbei."

"Sie sind nicht bös', daß ich Sie ab und an allein lassen muß?" - "Nein, im Gegenteil, da hatte ich Zeit zum Schauen. Ich habe bereits wieder Feuer gefangen! Darf ich diese Puppe einmal in die Hand nehmen? Ist sie nicht süß?" - "Oh, es ist die Reproduktion einer Kämmer & Reinhardt Nr. 121 aus der Serie der Charakterpuppen." - "Ein wenig müßte die Puppe allerdings noch warten, ich habe das Geld dafür noch nicht ganz zusammen?" - "Das ist kein Problem, ich reserviere Ihnen das schöne Kind. Denn Sie wären sicher enttäuscht, wenn die Puppe ein paar Wochen später verkauft wäre. Und die nächste wird nicht haargenau so sein. Jede ist wirklich ein Einzelstück, nicht nur in der Kleidung, auch Haare und Augen sind unterschiedlich; das macht doch gerade den Reiz aus."

"Vielen Dank, Frau Benken. Ich glaube, ich habe Sie heute schon lange genug aufgehalten, und vor allem" - hier macht die Kundin zu ihrem netten Augenaufschlag eine vielsagende Handbewegung -, "sonst werde ich noch schwach. Also, bis zum nächsten Mal, wenn ich meine neue Puppe abhole." - "Wissen Sie, dann stöbern wir einmal gemeinsam ein wenig in der Fachliteratur, und Sie lernen einige der berühmtesten Puppen bekannter deutscher Firmen wie J. D. Kestner, Gebr. Heubach, Kämmer & Reinhardt oder auch die wunderbaren französischen Bru- und Jumeau-Puppen kennen."


Abbildungen im Buch:
S.31: 'Sonneberg Child' (Foto: Christa Kreuter)
S.32: 'Tête Jumeau' und 'Marilyn' (Kestner 257) (Fotos: Christa Kreuter)
S.33: 'Max und Moritz' (K&R 123/124, Foto: Björn Benken)
S.34: 'Ruth' (K&R 121; Foto: Christa Kreuter).

Hinweis: Die Veröffentlichung an dieser Stelle erfolgte mit freundlicher Genehmigung der Autoren und Herausgeber Ingrid Elisabeth Endesfelder und Dr. sc. Klaus Heinz Meier sowie des Thomas Bradler Verlages Berlin.



Der folgende Artikel erschien in der DOLLAMI Ausgabe 1/04:

Braunschweig: 10 Jahre Puppen-Paradies Barbara Benken

In den 80er Jahren begann Puppenmacherin Barbara Benken mit der Herstellung hochwertiger Antik-Reproduktionen, die sie auf internationalen Wettbewerben mit großem Erfolg präsentierte. Zahlreiche Preise und der Erwerb des Masters of Dollmaking, 1992, bestätigten sie in ihrer Hingabe zu den Puppen. 1993 entschloss sich Barbara Benken schließlich, ihr Hobby zum Beruf zu machen und eröffnete in Braunschweig das Puppen-Paradies. 1999 erweiterte sie ihr Angebot auf das Internet. Unter www.puppen-paradies.com können Puppenfans sich nun auch online über die neuesten Attraktionen erkundigen und ihre Lieblinge per Mausklick erwerben.

Dass sie damit eine Marktlücke schloss, beweist nicht zuletzt das große Ereignis im letzten Herbst: Mit Kunden und Freunden feierte Barbara Benken das 10-jährige Jubiläum des Puppen-Paradieses. Ein Ereignis, auf das die passionierte Puppenhändlerin zu Recht stolz sein kann. Exklusiv für diesen runden Geburtstag erschien die Sonderausgabe "Heiderose" von Käthe Kruse. Sie ist 40 cm groß, handgestopft, auf 15 Exemplare limitiert und ausschließlich über das Puppen-Paradies erhältlich.  (ph)

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(Bildunterschrift: Die Sonderausgabe "Heiderose" von Käthe Kruse wurde exklusiv zum 10-jährigen Jubiläum des Puppen-Paradieses Barbara Benken gefertigt und ist ausschließlich dort zu beziehen.)



Der folgende Artikel erschien in der PUPPE I (der Clubzeitschrift für Mitglieder der Käthe Kruse Familie), Ausgabe Februar 2004:

Heiderose

Das Pummelchen "Heiderose" (lim. 15), welches die Käthe Kruse Werkstätten anläßlich des 10jährigen Bestehens vom Puppen-Paradies in Braunschweig herausgegeben haben, hat eine besondere Geschichte, wie uns seine "Mutter" Barbara Benken erzählt:

"Ich bin am Südrand der Lüneburger Heide aufgewachsen. Oft bin ich in der Jugend im September durch die blühenden Heideflächen geradelt, habe mit Freunden zwischen Heckenrosen, Birken und Wacholdern Picknick gemacht und Bienen und Schmetterlingen bei ihrem Spiel im Sonnenlicht zugeschaut. Die besondere Stimmung in der Heide fand ich immer inspirierend, und als die Aufgabe auf mich zukam, eine Puppe für mein Ladenjubiläum zu entwerfen, da wußte ich sofort, daß es ein Kind der Lüneburger Heide werden sollte. Das Kleid so grün wie das Heidekraut, die Schürze purpurfarben wie die Blüten der Erika, die Bluse so weiß wie Schönwetterwolken und das Haar goldblond wie leckerer Heidehonig. Auch ein kleines Schnuckenlamm gab ich als Begleiter dazu, damit mein Puppenkind sich niemals einsam fühlen muß.

Ich bin im übrigen eine geborene "Rose", doch haben meine Eltern leider nicht daran gedacht, mir zum malerischen Nachnamen auch den passenden Vornamen "Heide" zu geben. Dafür trägt jetzt meine eigene Tochter diesen Namen. Und mein Puppenkind... es heißt jetzt so, wie ich selbst als Kind immer gern gerufen worden wäre: Heiderose!!"

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(Fußzeile: Heiderose ist ausschließlich erhältlich über das Puppen-Paradies Barbara Benken, Berliner Str. 102, D-38104 Braunschweig, Tel.: 0531 372374, www.puppen-paradies.com)



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Letzte Aktualisierung: 29.11.2011
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